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"Radikal", "unerhört" - Bachs H-Moll-Messe im Rheingau

Verantwortlicher Autor: Michael Scheuermann Wiesbaden, 27.08.2019, 11:04 Uhr
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Wiesbaden [ENA] "Radikal kammermusikalisch" und "unerhört konzentriert" - so kündigen die Programmmacher des Rheingau Musik Festivals vollmundig ihre Orchester- und Dirigentenwahl der diesjährigen Bach-H-Moll-Messe an. Bei dem Opus handelt es sich um des Meisters letztes großes Vokalwerk. Das Manuskript ist - zusammen mit Beethovens neunter Symphonie - Teil des deutschen Bestandes des Weltdokumentenerbes.

Die H-Moll-Messe begleitete den Großmeister barocker Kompositionskunst von 1733 bis zum Ende seines Lebens. Zunächst entwickelte er eine Missa aus "Kyrie" und "Gloria" und fügte dann diesem Nukleus nach und nach die übrigen Sätze bei – überwiegend Bearbeitungen seiner Kantaten und neuen Kompositionen. Anlass zur Entwicklung der H-Moll-Messe war Bach der Tod des Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen 1733. Die Zeit der mehrmonatigen Landestrauer, in der keine Musik aufgeführt werden durfte, nutzte der Komponist zur Anfertigung der Partitur und Stimmen einer ersten Fassung. Die Aufführungsstimmen widmete er dem Nachfolger, Kurfürst Friedrich August II.

Warum Bach diese Kurzmesse zur vollständigen „Missa tota“ ausbaute, ist nicht bekannt. Bach selbst hat nichts über seine Motive geschrieben, wie auch sonst persönliche Angaben von ihm selten sind. Da er ab Mitte der 1730er Jahre begann, auch andere zyklische Werke mit Modellcharakter zu schaffen (Goldberg-Variationen, Weihnachtsoratorium) vermuten Musikhistoriker, die Erweiterung sei Teil seiner Intention, die bedeutenden Werke zu sichten, zu sammeln und der Nachwelt damit sein musikalisches Vermächtnis zu hinterlassen. Dieses Vermächtnis soll nun nach dem Willen der Veranstalter des Musikfestivals in der Eberbacher Basilika mit den Gabrieli Consort & Players und ihrem Dirigenten zu neuem Glanz verholfen werden.

Es gehe ihnen um ein Klangbild ganz nahe dem, welches einst Bach im Ohr gehabt habe. Und es gehe ihnen auch um Wendigkeit, um Klarheit und Balance. Mit seiner Entscheidung für eine radikal kammermusikalisch- konzentrierte Besetzung übergehe der Dirigent McCreesh "bewusst zementierte Aufführungstraditionen, um den emotionalen Kern der h-Moll-Messe freizulegen". Ob dieses vollmundige Ziel im Kloster Eberbach umgesetzt wird oder sich als großsprecherischer Sprachdunst ungezügelter Marketingkapriolen entpuppt, darf nach dem Konzert auf dem Nachhauseweg erörtert werden. Bachs H-Moll-Messe kommt am 29.8. 2019 um 20.00 Uhr in der Basilika des Klosters Eberbach zur Aufführung. Karten über Infotelefon 0 67 23 / 60 21 70.

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